Investmentfonds
Nur wenige Anleger verfügen über ausreichendes Eigenkapital, um ein Investitionsvorhaben alleine vorzunehmen. Daraus entstand der Grundgedanke zur Gründung von Investmentfonds, wobei es nicht erforderlich ist, dass jeder Anleger (Investor) auch tatsächlich über entsprechendes Fachwissen verfügt, um sich mit der Verwaltung des Geldes zu befassen. In Großbritannien bildeten sich bereits um 1850 Unternehmen, die Anlegerkapital gleichzeitig in verschiedene Vorhaben in Form von so genanntem Sondervermögen einbrachten. Der Anleger bzw. Investor erhält dafür Anteilsscheine, die als Fondszertifikate bezeichnet werden. Der Unterschied zu den Aktionären einer Aktiengesellschaft, die in ein bestimmtes Unternehmen investieren, besteht also in der Vielzahl der gleichzeitigen Anlagen. Inzwischen kann man in Deutschland zwischen ungefähr 8.000 verschiedenen offenen Investmentfonds wählen.
Ein wesentlicher Vorteil der Investmentfonds besteht darin, dass das Sondervermögen sogar bei einer Insolvenz der Kapitalanlagegesellschaft nicht zur Insolvenzmasse zählt. Die Gläubiger haben keinen Zugriff auf das Kapital, welches an den Anleger zurückgeht.
Das in der Bundesrepublik Deutschland geltende Investmentgesetz bildet die gesetzliche Grundlage.
Unterschiede zwischen den verschiedenen Investmentfonds

Die verschiedenen Investmentfonds unterscheiden sich einerseits nach ihrem Anlageschwerpunkt sowie andererseits nach Varianten bei der Rückgabe von Anteilen, und zwar als offener oder geschlossener Fonds. Weiterhin ist eine Unterscheidung entsprechend der Ausschüttungsweise, also der Verwendung der Jahresüberschüsse, möglich. Dabei unterteilt man in ausschüttende und theasaurierende Fonds.
Handelt es sich um offene Fonds, werden von der Kapitalanlagegesellschaft durchgehend neue Fondszertifikate ausgegeben, so dass keine Begrenzung der Anteile vorliegt. Allerdings sind sie gegenüber den Investoren zum Rückkauf zum Rücknahmepreis verpflichtet. Ein vollständiger oder teilweiser Verkauf von Anteilen ist jederzeit möglich. Wer aktuell günstige Konditionen ausnutzen möchte, kann jederzeit verkaufen. Deshalb eignen sich offene Fonds auch für einen mittelfristigen Anlagezeitraum von 1 bis 3 Jahren. Es können auch durchaus kleinere Beträge im Rahmen eines monatlichen Sparplans angelegt werden.
Erträge sind als Einkünfte aus Kapitalvermögen anzusehen.
Der geschlossene Fonds ermöglicht einen Kauf - auch Zeichnung genannt - von Anteilen nur während der so genannten Emissionsphase. Sind alle Anteile verkauft, wird der Fonds geschlossen. Nun beginnt das Investitionsvorhaben. Ein regelmäßiger Verkauf von Anteilen an diesen Fonds ist schwierig, da keine Rücknahmeverpflichtung besteht. Beim geschlossenen Fonds wird der Investor Mitunternehmer einer KG (Kommanditgesellschaft) und kann deshalb Verluste, die häufig in der Anfangsphase auftreten, als Verluste aus Gewerbebetrieb geltend machen. Doch der Gesetzgeber arbeitet an einer Änderung dieser Regelung.
Zu den bekanntesten und wichtigsten Fondsarten gehören Aktienfonds, Rentenfonds und Immobilienfonds, die deshalb nachstehend näher erklärt werden.
Die wichtigsten Fondsarten
Beim Aktienfonds handelt es sich um einen Investmentfonds, der das Anlegerkapital ganz oder weitestgehend in Aktien anlegt. Dabei kann er sich, je nach Ausgestaltung, auf einzelne Märkte, Gebiete oder Aktienbündel ausrichten. Die Renditen ergeben sich besonders aus den Kurssteigerungen, aber auch aus den Dividendenzahlungen der Vermögensanlagen. Zwar stellen die Kursschwankungen beim Aktienfonds ein Risiko dar, aber dies ist sicherlich geringer durch die Streuung der Fonds auf mehrere Investments als bei einzelnen Aktien. Seit 1950 werden in Deutschland Aktienfonds zum öffentlichen Verkauf angeboten, deren Bandbreite sich seither - bedingt durch den Erfolg - erweitert und spezialisiert hat. Seit 1990 dürfen deutsche Aktienfonds an allen ausländischen Aktienmärkten Wertpapiere kaufen, wenn diese zum öffentlichen Verkauf stehen.
Rentenfonds als Investmentfonds legen das Geld der Investoren ausschließlich in festverzinslichen Anleihen sowie Schuldverschreibungen, Bundesschatzbriefen, Kommunalobligationen etc. an. Weiterhin sind auch verschiedene Spezialisierungen möglich wie Fremdwährungsanleihen oder auch Anleihen der öffentlichen Hand. Seit 1966 werden Rentenfonds in Deutschland ausgegeben, insbesondere an Privatanleger oder institutionelle Investoren wie Lebensversicherungen, denn auf die ziemlich hohe Sicherheit durch den Kauf von Emittenten mit höchster Bonitätsstufe (AAA) wird verstärkt Wert gelegt. Allerdings muss man bemerken, dass die erwirtschaftete Rendite von Rentenfonds niedriger liegt als bei Aktienfonds, denn das Zinsniveau des Kapitalmarktes ist seit einigen Jahren relativ niedrig und somit ist auch die Verzinsung der langfristig ausgelegten Rentenfonds eher bescheiden.
Das Kapital der Anleger von Immobilienfonds wird entweder in Gewerbeimmobilien wie Einkaufszentrum etc. oder in überwiegend unbebauten Grundstücken angelegt. Handelt es sich um eine einzelne Immobilie, wird das Geld meist als geschlossener Fond angelegt, bei mehreren Immobilien als offener Fonds, wobei häufig mehr als 50 Objekte im In- und auch Ausland verwaltet werden. Bei ausländischen Projekten muss jedoch das Wechselkursrisiko in Kauf nehmen, da die Mieteinnahmen in Landeswährung gebildet werden. Durch Abschluss eines Devisentermingeschäftes kann dieses Risiko jedoch reduziert werden. Immobilienfonds bieten einen größeren Schutz vor Inflation als Rentenfonds, da der Immobilienpreis ebenfalls steigt. Mieten und Verkaufserlöse bewirken die aus einem Immobilienfonds anfallenden Erträge.
Anteilswert und Rendite
Um den Wert eines Anteils an einem Investmentfonds zu errechnen, wird zunächst der Nettoinventarwert ermittelt. Dafür werden alle Vermögensgegenstände des Fonds sowie Bankguthaben ermittelt, dann anschließend alle Verbindlichkeiten und Kredite abgezogen. Man erhält dann den so genannten Nettoinventarwert und dividiert ihn durch die Anzahl der ausgegebenen Anteile, woraus sich dann der Anteilswert ergibt. Dies zeigt nun auch, dass Investmentanteile nicht börsenfähig sind, weil der tatsächlich zutreffende Preis nur von der Kapitalanlagegesellschaft ermittelt werden kann. In einem ähnlichen Verfahren werden die Preise von ausländischen Investmentanteilen festgestellt, welche dort als Net Asset Value bezeichnet werden.
Viele Tageszeitungen veröffentlichen regelmäßig die ermittelten Ausgabe- sowie Rücknahmepreise von Investmentfonds. Auch im Internet lassen sie sich recherchieren.
Aufgelaufene Erträge aus den Investmentfonds werden jährlich an die Investoren verteilt, die ggf. dieses Geld erneut anlegen (teils mit Rabatt) und somit den Zinseszinseffekt nutzen.
Kauf bzw. Verkauf von Investmentfondsanteilen
Der Kauf oder Verkauf von Investmentfondsanteilen aus einem offenen Fond wird direkt mit der Fondsgesellschaft abgewickelt zum veröffentlichten Anteilswert mit einem Aufschlag (Agio) von 1,5 bis 5 % für die Vertriebskosten. Diese Geschäfte werden entweder über Kreditinstitute oder unabhängige Anlageberater - dann erhält man bei der Fondsgesellschaft direkt und gratis ein Investmentkonto - durchgeführt. Die Verwahrung der Investmentfondsanteile über die Hausbank kostet Depotgebühren. Deutsche Investmentgesellschaften erheben jedoch Depotführungsgebühren für den Anleger - allerdings deutlich niedriger als die Kreditinstitute. Für denjenigen, der sich bereits mit dieser Anlageform auskennt und für ein Anlagekonto entschieden hat, bieten viele Investmentgesellschaften den (fast) kostenlosen Tausch innerhalb der Investmentfondspalette an.
Der Erwerb von Investmentfondsanteilen ist sehr flexibel, denn es kann sowohl eine bestimmte Summe angelegt als auch in unterschiedlichen Abständen Einzahlungen vorgenommen werden. Allerdings müssen Einmalzahlungen häufig eine bestimmte Mindesthöhe haben. Werden Investmentanteile in Form von Sparplänen erworben, reichen schon 50 bis 150 Euro monatlich als Grenze je Einzahlung, abhängig von der Gesellschaft.
Möchte man die Fondsanteile wieder zurückgeben, sprich verkaufen, ist die Fondsgesellschaft zum Kauf aller gebotenen Anteile zum Rücknahmepreis verpflichtet. Ein Brief an die Investmentgesellschaft genügt, um die Fondsanteile wieder zu verkaufen. Der Verkaufserlös wird auf das genannte Konto überwiesen.
Fazit
Investmentfonds stellen eine gute Kapitalanlage dar, da sie sicher sind und verhältnismäßig hohe Erträge dabei erwirtschaften. Egal ob der Vermögensaufbau mittel- oder langfristig ausgerichtet ist - der Kapitalmarkt hält verschiedenste Angebote bereit, die außerdem der persönlichen Risikobereitschaft angepasst werden können. Da der Anlagenwert aus Sachwerten gebildet wird, wird das Inflationsrisiko minimiert. Das von Profis betriebene Fondsmanagement bietet sehr gute und steuerfreie Renditemöglichkeiten, wenn auch keine Erfolgsgarantie. Für den Laien hingegen ist es schwierig, den individuell richtigen Investmentfonds zu finden.